Surrealität? Realität!

Nachruf auf Prof. Dr. Ivo Pitanguy (1922 bis 2016) von Dr. Dr. Wolfgang Funk

Der Michelangelo der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie hat einen anderen Zustand angenommen! Das Leben hat ihn unsterblich gemacht. Er lebt fort in jedem Menschen, dem er Leben und/oder Lebensqualität zurückgegeben hat, sei es aus medizinischen oder aus ästhetischen Gründen. Er lebt weiter in seinen mehr als 600 Schülern aus 42 Ländern, zusammengeschlossen unter dem Dach der sogenannten AExPI. Er gab seinen Schülern nicht nur sein medizinisches Wissen, sondern vielmehr auch seine Berufsphilosophie weiter.

Die Leitsätze Pitanguys waren:

1. Jeder Mensch ist gleich und braucht deine Hilfe
2. Beurteile immer den Patienten als Ganzes
3. Harmonie der Strukturen ist das Leitmotiv
4. Schönheit liegt in jedem Einzelnen

Er lebt weiter in seinen unzähligen Veröffentlichungen, Büchern und Aufsätzen über Kunst, Philosophie und das Leben sowie natürlich hauptsächlich in seinen medizinischen Beiträgen. Das letzte medizinische Buch las er noch bis einige Stunden vor seinem Tod Korrektur und es wird uns bald erfreuen. Er lebt weiter in seinen unzähligen Konversationen mit ganz normalen Menschen, aber auch mit Königen, Präsidenten und Filmstars. Jedem Menschen mit dem er sprach, bleibt er für immer durch seine Einzigartigkeit in Erinnerung. Durch seine 7-Sprachigkeit, sein breites Wissen und sein Interesse an buchstäblich allem war er immer ein hervorragender Gesprächspartner.

Er konnte – und das prägte ihn sehr stark – Menschen mit ihrem Namen ansprechen und auch Sachliches persönlich ansprechen.

Er war informiert: von Bayern München bis zur Formel 1, von Michelangelo über Dalí, der ihm ein persönliches Bild mit seinem Konterfei widmete, bis zu Warhol.

Von Umweltproblemen bis zum Samba, er interessierte sich für alles.

Er konnte sich an fast alles erinnern, er war sozusagen das körperliche Integral seines Wissens. Dieses Wissen behielt er nicht für sich, sondern er gab es fast schon wie ein Prophet weiter an seine Schüler und an seine Mitmenschen.

Er lebt weiter in den unzähligen hohen nationalstaatlichen Auszeichnungen, etwa aus Frankreich, Deutschland, den USA und seiner Heimat Brasilien, um nur einige zu nennen. Eine solche Fülle von Auszeichnungen hat vor ihm noch niemand – zumindest keine Privatperson, die er letzten Endes doch war – erhalten. Er lebt weiter als Vater, Freund und als immer unterstützender Kollege in seinen Ehrenmitgliedschaften unzähliger Fachgesellschaften, darunter auch der DGÄPC, und in seinen Schirmherrschaften – wie zuletzt noch beim German Brazilian Aesthetic Meeting (GBAM) in München.

Sein Vermächtnis inspiriert alle, die mit ihm zu tun hatten. Er ist einer der Unsterblichen und ein großes Beispiel darin, einfach „Mensch zu sein“.

Dr. Dr. Wolfgang Funk mit Prof. Pitanguy

Prof. Dr. Pitanguy, Dr. Wolfgang Funk und Frau Ellen Funk
(aufgenommen bei Prof. Pitanguy zu Hause, 3 Monate vor seinem Tod)

Meinem Mentor und Lehrer

Dr. Dr. Wolfgang Funk, AExPI

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