DGÄPC-Statistik 2021

Ergebnisse der DGÄPC-Patientenbefragung 2020 / 2021

DGÄPC-Statistik 2020: Zahlen, Fakten und Trends der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie

dgaepc-statistik-2021

Inhaltsverzeichnis

Grußwort

Grußwort Dr. Kaisers

Sehr geehrte Damen und Herren,

als eine der ältesten Fachgesellschaften
im Bereich der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie haben wir es uns, neben der Aufklärung über Ästhetisch-Plastische Behandlungen und fachlicher Weiterbildung, zum Ziel gemacht, transparent sowie sachlich die Wünsche und durchaus persönlichen Gründe unserer Patient*innen darzustellen. Wir tragen nunmehr seit mehr als zehn Jahren mit der DGÄPC-Statistik Fakten und Erkenntnisse zu Behandlungswünschen
wie auch Motiven von Patient*innen zusammen.

Im Fokus stehen Antworten auf Fragen wie:

  • Für welche Eingriffe interessieren sich die Menschen?
  • Warum unterziehen sie sich einer Ästhetisch-Plastischen Behandlung und was wollen sie damit erreichen?
  • Wo erkennen wir den größten Beratungsbedarf?

Zugleich spiegeln die Ergebnisse unsere tagtäglichen beruflichen Erlebnisse wider und bieten damit authentische Einblicke in den Fachbereich der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie, der Außenstehenden sonst verwehrt bleiben würde. Die Ergebnisse der diesjährigen Analyse belegen eine Erfahrung aus unserer Praxis: Patient*-innen gehen nicht leichtsinnig mit ihrem Körper und der Entscheidung um, wenn sie sich für eine Ästhetisch-Plastische Behandlung entscheiden. Die Mehrheit setzt sich seit Längerem mit dem von ihr empfundenen Makel auseinander. Der Gedanke daran ist immer da – bei jedem Blick in den Spiegel, beim Betrachten eines Fotos oder Videos. Gerade wenn es um operative Maßnahmen geht, ist ein großer Leidensdruck ausschlaggebend für den Besuch bei einem/einer Ästhetisch-Plastischen Chirurg*in.

Die neue Ausgabe der Statistik ist nur aufgrund der Mitarbeit der Patient*innen, der Praxis- und Klinikteams wie auch der Mitglieder der DGÄPC selbst möglich. Ich möchte allen an dieser Ausgabe Beteiligten meinen Dank aussprechen.

Ihr
Dr. Harald Kaisers
Präsident der DGÄPC

Behandlungsanfragen: Konzentration auf das Gesicht

Behandlungsfragen

Wie bereits im letzten Jahr sind 2021 zwei Drittel der Patient*innen für eine erste Beratung in die Praxis oder Klinik gekommen.

Patient*innen kommen für eine umfassende Aufklärung zum gewünschten Eingriff besonders in Facharztpraxen. Nicht jede Beratung führt im Anschluss zu einer Behandlung, besonders operative Eingriffe bedürfen einer umfassenden Beratung, die nicht zwangsläufig zu einer OP führt.

Doch ein Blick auf die Themen in der Erstberatung verrät die originären Wünsche der Patient*innen.

Die Oberlidstraffung führt mit 14,6 Prozent die Spitze der Behandlungswünsche an. 2020 lag sie mit 11,7 Prozent noch auf Platz vier. Auf Platz zwei folgt die Brustvergrößerung mit Implantat (12,8 Prozent),
auf Platz drei die Fettabsaugung (12,4 Prozent).

Die Faltenunterspritzung mit Fillern rutscht mit nun zehn Prozent von ihrer Spitzenposition im Jahr 2020 mit 15,8 Prozent auf Platz vier. Auch die Botulinumbehandlung erreicht mit 6,6 Prozent wieder die Top 5 der häufigsten Behandlungsanfragen und befindet sich damit auf dem
gleichen Platz wie im Jahr 2020. Auffällig bei den Wünschen der Patient*innen ist der Fokus auf das Gesicht. Eine Erklärung könnte der anhaltende „Zoom-Boom“ sein.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie sind Videokonferenzen in vielen Branchen selbstverständlich geworden. Patient*innen unterziehen sich einer Ästhetisch-Plastischen Behandlung, weil sie etwas an ihrem eigenen Videokonferenzbild stört. Hinzu kommt das Tragen von Masken, was den Fokus auf die Augenpartie lenkt.

Durchgeführte Behandlungen und Eingriffe: Fokus liegt auf Augenpartie

Durchgeführte Eingriffe

Auch das Jahr 2021 ist geprägt von der COVID-19-Pandemie und den begleitenden Schutzmaßnahmen. Die in den Praxen und Kliniken der DGÄPC-Mitglieder durchgeführten Behandlungen und Eingriffe
spiegeln das wider.

Auf den vordersten Plätzen finden sich zwei minimalinvasive Behandlungen: Botulinumbehandlung (Botox) und Faltenunterspritzung mit Fillern.

Anders als im letzten Jahr führt die Botulinumbehandlung das diesjährige Behandlungsranking an und stellt mit 33,5 Prozent die am häufigsten durchgeführte Ästhetisch-Plastische Behandlung dar. Nur minimal dahinter, auf Platz zwei, befindet sich die Faltenunterspritzung (Filler) mit 32,1 Prozent, die zuvor Platz eins belegte. Im direkten Vergleich zu 2020 haben die nicht- bzw. minimalinvasiven
Behandlungen deutlich zugelegt.

Insgesamt betrachtet konzentrieren sich zwei von drei Ästhetisch-Plastischen Behandlungen auf die minimalinvasive Faltenbehandlung. Die Botulinumbehandlung verzeichnet im Vergleich zum letzten Jahr eine Steigerung um 37,3 Prozent.

Das große Interesse an Oberlid- und Unterlidstraffungen des letzten Jahres setzt sich auch in diesem Jahr weiter fort. Die Nachfrage nach Oberlidstraffungen nahm im Vergleich zu 2020 noch einmal um 18,8 Prozent zu. Im Jahr 2021 kommt dem Augenbereich neben der Faltenbehandlung eine große Bedeutung zu. Der Augenbereich rückt aufgrund der geltenden Maskenpflicht in den Blickpunkt der Wahrnehmung.

Patienten unter 30 Jahren: Hoher Beratungsbedarf bei operativen Eingriffen

5 Patient*innen unter 30 Jahren

Die Patient*innen werden etwas jünger – das ist eine Entwicklung, die sich in kleinen, aber stetigen Schritten schon seit einigen Jahren abzeichnet. In diesem Jahr machte der Anteil der unter 30-jährigen Patient*innen bereits 21,5 Prozent aus, während er 2020 noch bei 20,8 Prozent lag. 73 Prozent der Patient*innen in dieser Altersgruppe kommen für eine Erstberatung in
die Praxen.

Nach wie vor ist die Brustvergrößerung (Implantat) mit großem Abstand der nachgefragteste Eingriff in dieser Altersgruppe. 21,3 Prozent lassen sich hierzu beraten. Eine solch große Nachfrage ist – aus Sicht der Fachärzte – verständlich: Der Leidensdruck der jungen Patient*innen besteht häufig bereits seit der Pubertät.

Auf Platz zwei folgt mit 11,6 Prozent die Intimkorrektur. Dieser Eingriff nahm 2020 mit 2,1 Prozent keine vorrangige Position ein. Nun gelangt er stärker ins Bewusstsein vieler Patient*innen und tritt aus seinem bisherigen Schattendasein heraus.

Platz drei bildet mit 9,8 Prozent die Fettabsaugung. Auch dies ist ein Eingriff, bei dem erhöhter Beratungsbedarf besteht, da es sich hier nicht um eine Methode handelt, mit der an allen Körperstellen Fettreservoirs abgebaut werden können.

Frauenwünsche: Operative Eingriffe in den Facharztpraxen besonders gefragt

Frauenwünsche

Die Top-3-Eingriffe, für die sich Frauen im ersten Beratungsgespräch interessieren, sind:

  1. Oberlidstraffung (15,2 Prozent)
  2. Brustvergrößerung mit Implantat (14,4 Prozent)
  3. Fettabsaugung (11,8 Prozent)
  4. Faltenunterspritzung mit Fillern (9,9 Prozent)
  5. Bauchdeckenstraffung (7,2 Prozent)

Damit betreffen vier der fünf häufigsten Themen im ersten Beratungsgespräch invasive Eingriffe. Das spiegelt auch die Analyse aller Behandlungswünsche wider, mit denen Frauen das erste Mal eine Praxis oder Klinik aufsuchen: Der Großteil der Behandlungswünsche betrifft
operative Eingriffe. Dagegen haben nur 27,2 Prozent Fragen zu nicht- bzw. minimalinvasiven Behandlungen. Da Patient*innen in die Erstberatung durchaus mit Fragen zu mehreren Behandlungen kommen, wurden hier Mehrfachnennungen berücksichtigt.

Über die Hälfte dieser Beratungen betrifft Eingriffe und Behandlungen im Gesicht, etwas mehr als zwei Drittel den restlichen Körper. Ein besonderer Fokus liegt neben den Eingriffen im Gesicht auf der Brust, daher richten wir das Augenmerk im folgenden Kapitel noch einmal genauer auf die Wünsche zu verschiedenen Brust-OPs.

ERSTBERATUNG FRAUEN

Fokusthema: Beratungsbedarf bei Eingriffen an der Brust am größten

Beratungsbedarf bei Eingriffen an der Brust am größten

Nahezu ein Drittel der Erstberatungsthemen, mit denen Frauen Ästhetisch-Plastische Chirurg*innen aufsuchen, betreffen die Brust. Ganz oben steht mit 14,8 Prozent die Brustvergrößerung mit Implantat, dieser folgt die Bruststraffung mit 6,8 Prozent. An dritter Stelle steht die Brustverkleinerung mit 4,7 Prozent. Danach folgen auf Platz vier und fünf die Brustvergrößerung (Eigenfett) mit 3,9 Prozent sowie die Brustwarzenkorrektur mit 1,5 Prozent. Hinzu kommt zum Schluss der Implantatwechsel bzw. die Implantatentfernung mit 1,2 Prozent.

Erstberatungen Frauen Brust

Eingriffe an der Brust sind mit einem enorm hohen Beratungsbedarf verbunden. Es ist ein Eingriff, dem sich Frauen möglichst nur einmal im Leben unterziehen möchten und der für die Patientinnen einen sehr großen Einfluss auf ihr körperliches  Erscheinungsbild hat. Sie verbinden damit Selbstvertrauen und ein gewisses Selbstbild.  Unsicherheiten entstehen hier oftmals durch die Medienberichterstattung, etwa über mangelhafte Implantate oder verpfuschte Operationen. Hinzu kommt ein zunehmend offenerer Umgang von Prominenten und Influencer*innen, die sich medienwirksamzu ihren Eingriffen äußern. Daher kommen häufiger Patientinnen in die Praxis oder Klinik, die durch verschiedene Kanäle sozusagen überinformiert und teilweise verunsichert sind. Fachärzt*innen haben dann die Aufgabe, den individuellen Fall erst einmal zu bewerten: In einem ausführlichen Beratungsgespräch wird über Methoden und Möglichkeiten der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie gesprochen sowie über den Ablauf der Operation und eventuelle Risiken aufgeklärt.

Männerwünsche: Invasive Eingriffe führen die Behandlungswünsche an

Männerwünsche

Auch bei den Männern stehen bei den Erstberatungsthemen vor allem operative Eingriffe im Zentrum: Neben der Fettabsaugung (14,4 Prozent) bilden die Gynäkomastie-Behandlung (11,7 Prozent) und die Unterlidstraffung (11,7 Prozent) die Top 3 der Behandlungswünsche. Es folgen die Oberlidstraffung (10,8 Prozent) und die Botulinumbehandlung (9 Prozent).

Ein etwas anderes Bild zeigte sich im letzten Jahr: Auch wenn sich die Top-3-Anfragen auf operative Eingriffe bezogen, sah die Verteilung anders aus: Mit 18 Prozent lag damals die Oberlidstraffung noch auf dem ersten Platz. Die Nachfrage nach diesem Eingriff hat im Jahr 2021 deutlich nachgelassen und rutscht auf den vierten Platz. Darauf folgten die Gynäkomastie und die Fettabsaugung – jeweils mit 12 Prozent.

Damit führen invasive Eingriffe bei den Männern ebenso wie bei den Frauen die Liste der Behandlungswünsche an. Schaut man sich die Summe aller Behandlungswünsche an, betreffen immerhin 80 Prozent operative Eingriffe und sechs von zehn Anfragen betreffen Eingriffe und Behandlungen im Gesicht.

Erstberatung Männer

Gutachten: Unzufriedenheit mit Vorbehandlungen bei der Brust am größten

Gutachten

Es gibt verschiedene Gründe, warum Patient*innen einen Arzt oder eine Ärztin für eine Zweitmeinung oder ein medizinisches Gutachten anfragen. Auch wenn die Intentionen der Patient*innen sehr individuell sind, konzentrieren sie sich im Wesentlichen auf zwei Aspekte: Unsicherheit und Unzufriedenheit.

Da Patient*innen einen Arzt bzw. eine Ärztin häufig im Internet recherchieren, sind viele unsicher, ob die vorgeschlagene Vorgehensmethode auch die
passende ist. Diese Anfragen betreffen also Eingriffe, die noch nicht durchgeführt wurden.

Bei einem Großteil der Anfragen handelt es sich aber um die fachärztliche Bewertung, ob der bereits durchgeführte Eingriff korrekt ausgeführt wurde.

Insgesamt drei Prozent der Befragten suchten 2021 für eine Zweitmeinung oder ein medizinisches Gutachten eine Praxis oder Klinik eines DGÄPC-Mitglieds auf. Sie vertrauen dabei auf die langjährige Erfahrung und die Kompetenz als Facharzt/Fachärztin für Ästhetisch-Plastische Chirurgie.

Fachärzt*innen erklären und ordnen Behandlungsmethoden ein oder klären über geeignetere Alternativen auf. Auch wenn der Prozentsatz auf den ersten Blick gering erscheint, gewinnt das Thema seit einigen Jahren an Bedeutung und ist sehr aktuell.

Benötigten Patient*innen eine Zweitmeinung vor einer Behandlung oder ein Gutachten nach einer Behandlung, betraf dies zu 22,5 Prozent einen Implantatwechsel oder eine Implantatentfernung.

In jedem fünften Fall ist die durchgeführte Brustvergrößerung mit Implantaten ein Grund für das Aufsuchen einer Ästhetisch-Plastischen Praxis oder Klinik gewesen.

Aufgrund von Mediendebatten und Prozessen zur Sicherheit von Implantaten ist das Thema vor allem im Bewusstsein der weiblichen Patientinnen sehr präsent. Die Verunsicherung ist groß. Die Brust gilt als das am stärksten geschlechtsdifferenzierende Merkmal bei der Betrachtung der Körpersilhouette.

Die Ergebnisse zeigen, dass Unsicherheiten nicht nur aufseiten der Frauen bestehen. Auch bei den Männern wird häufig eine Zweitmeinung oder ein Gutachten im Zusammenhang mit einer Gynäkomastie eingeholt. Der Leidensdruck und die damit verbundenen Unsicherheiten sind somit geschlechtsunabhängig. In Bezug auf die Brust zeigt sich in einem hohen Maße die Notwendigkeit und der Bedarf einer umfassenden Beratung durch qualifizierte Fachärzt*innen der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie.

Gutachten / Zweitmeinung

Erst deutlich im einstelligen Prozentbereich folgen andere operative Eingriffe wie Narbenbehandlung, Bauchdeckenstraffung oder Fettabsaugung.

Nicht- und minimalinvasive Behandlungen nehmen weiter zu

minimalinvasive Behandlungen

In diesem Jahr hat die Beliebtheit von sanften Eingriffen im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal deutlich zugelegt: 73,5 Prozent aller Behandlungen bei den befragten Patient*innen erfolgen nichtoperativ bzw. nicht- oder minimalinvasiv (2020: 63,7 Prozent; 2019: 41,5 Prozent).

Im Vergleich zu 2020 entspricht das einem prozentualem Wachstum von immerhin 15 Prozent.

Die am häufigsten durchgeführten nicht bzw. minimalinvasiven Behandlungen sind mit einem Drittel Botoxbehandlungen (33,5 Prozent), dicht gefolgt von Faltenunterspritzungen mit Fillern (32,1 Prozent). Abgeschlagen folgen mit je 2,8 Prozent die Kryolipolyse und die Faltenunterspritzung mit Eigenfett.

Der pandemiebedingte Einbruch bei der Anzahl der operativen Eingriffe im Jahr 2020 führt sich in diesem Jahr nicht fort. Im Gegenteil, auch die operativen Eingriffe legen wieder zu – wenn auch nicht ganz so stark wie die sanfteren Methoden. So waren 2019 noch 58,5 Prozent aller Eingriffe operativ, 2020 fiel der Wert auf 49,6 Prozent und hat nun wieder 55,2 Prozent erreicht.

Invasisv gegenüber minimalinvasisv

Geschlechterverteilung: Frauenbedürfnisse dominieren die Branche

Geschlechterverteilung

Mit Blick auf die Verteilung der Geschlechter wird deutlich, warum die Mehrheit der Behandlungen und Eingriffe in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie auf Frauen und ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist: Mit 85,5 Prozent stellten Frauen auch dieses Jahr die größte Patientengruppe unter den Befragten. Werden die Daten im Verlauf mehrerer Jahre betrachtet, zeigt sich, dass der Anteil der weiblichen Patienten zwar schwankt, aber dennoch kontinuierlich über 80 Prozent liegt. Da vier von fünf Patient*innen weiblich sind, richten sich die Angebote und Innovationen der Branche primär an weiblichen Bedürfnissen und Wünschen
aus.

Zwar sind Männer im direkten Vergleich zahlenmäßig unterrepräsentiert, doch sind sie deswegen keine Ausnahmepatienten in den Praxen. Dass sie als Patientengruppe von Bedeutung sind, zeigt sich auch in den speziell auf die männliche Physis zugeschnittenen möglichen Eingriffen wie der Gynäkomastie. Während sich Frauen nach der Beratung nicht immer auch für die Durchführung der Behandlung entscheiden, ist der Leidensdruck bei den Männern präsenter, insbesondere im Bereich der Gynäkomastie. Sucht ein männlicher Patient einen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen bzw. eine Chirurgin für diese Art der
Behandlung auf, lässt die Mehrheit den Eingriff auch durchführen. Allerdings nimmt der Anteil männlicher Patienten beständig ab: Nach dem Höchstwert von 17,5 Prozent im Jahr 2017 zeigte sich in den darauffolgenden Jahren ein stetiger Rückgang, der sich auch in diesem Jahr fortsetzt. 2021 lag der Anteil an männlichen Patienten bei 10,9 Prozent.

Verhältnis Frauen / Männer

Frisches Aussehen und Prophylaxe: Botox und Faltenunterspritzungen sind bei allen Altersgruppen gefragt

Botox und Faltenunterspritzungen

Faltenbehandlungen mit Botulinum oder Fillern sind die gefragtesten Behandlungen im Bereich der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie. Um gegen Falten vorzugehen, gibt es medizinische wie auch kosmetische Möglichkeiten. Kosmetische Behandlungen können die Faltenbildung jedoch höchstens temporär verzögern oder minimal abmildern, wobei dieser Effekt für das menschliche Auge häufig kaum sichtbar ist. Tatsächlich sichtbare und anhaltende Ergebnisse erzielen ab einer bestimmten Faltentiefe nur medizinische Behandlungen. Die am häufigsten nachgefragte ist die Behandlung mit Botulinumtoxin, umgangssprachlich auch als Botox bezeichnet. Auffallend ist, dass vor allem Frauen wie auch Männer unter 50 Jahren darauf setzen, während diese mit zunehmendem Alter von der Faltenbehandlung mit Fillern abgelöst wird. Die lähmende Wirkung von Botox verhindert die Faltenbildung, die Behandlung mit Fillern ermöglicht, eine bereits vorhandene Falte aufzufüllen und somit die Haut ebenmäßiger und glatter erscheinen zu lassen. Im Fokus steht für Patient*innen primär die Prophylaxe, während mit zunehmendem Alter der Wunsch nach einem frischen Aussehen dominiert.

Bei den operativen Eingriffen dominiert wie bereits im letzten Jahr die Oberlidstraffung. Erst ab einem Alter von 30 Jahren ist diese gefragt und bewegt sich dann gleichbleibend durch alle folgenden Altersgruppen im Bereich von 15 Prozent. Hängende Augenlider verstärken sich meist mit zunehmendem Alter, daher überrascht es nicht, dass dies eine der am häufigsten nachgefragten Behandlungen ist. Auch bei den Oberlidstraffungen geht es Patient*innen primär um ein frischeres Erscheinungsbild.

Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die Top-3-Behandlungen auch in Verbindung mit der COVID-19-Pandemie stehen:

  • Videocalls und -meetings stehen in Relation zum Pandemiegeschehen.
  • Durch das kontinuierliche Sich-selbst-Betrachten im Videobildschirm manifestiert sich bei manchen Patient*innen eine seit längerer Zeit bestehende Unzufriedenheit mit dem eigenen Äußeren
  • der Behandlungswunsch wird verstärkt.
Altersklassen

Motivationsfaktor: Langjähriger Leidensdruck eines ästhetischen Makels

Motivationsfaktor

Die DGÄPC-Statistik widmet sich seit Jahren der wichtigen Frage, warum Frauen wie auch Männer Ästhetisch-Plastische Chirurg*innen aufsuchen. Die Auswertungen der letzten Jahre zeigen ein sehr eindeutiges Bild: Viele Patient*innen entscheiden sich nicht spontan für einen Besuch. Der Leidensdruck und die Unzufriedenheit mit ihrem Äußeren begleitet sie bereits seit längerer Zeit. Schon vor dem Aufsuchen von Ästhetisch-Plastischen Chirurg*innen überlegen und recherchieren die Patient*innen zu möglichen Behandlungsmethoden oder Eingriffstechniken.

Der Mehrheit der Patient*innen (57,5 Prozent) geht es primär um die Reduzierung ihres von ihnen selbst empfundenen Makels. Ein dadurch reduziertes Selbstbewusstsein hat sich über längere Zeit aufgebaut und verfestigt. In der nach Geschlechtern differenzierten Auswertung fällt auf, dass sich vor allem Frauen eine Verbesserung erhoffen. Durch die Behandlung soll der empfundene Makel behoben oder reduziert werden mit dem Ziel, das Selbstbewusstsein wieder zu stabilisieren oder zu steigern (37,9 Prozent). Jede Fünfte (21,7 Prozent) möchte wieder ihrem eigenen Schönheitsideal entsprechen.

Im Gegensatz zu den Frauen (2 Prozent) erhoffen sich eher die männlichen Befragten (6 Prozent) durch einen Ästhetisch-Plastischen Eingriff größere Chancen bei der Partnerwahl. In der Praxis zeigt sich zudem, dass Männer, die für eine Behandlung vorstellig werden, diese im Regelfall auch durchführen. Sie gehen insgesamt entschlossener vor.

Die Linderung von gesundheitlichen Beschwerden oder aber die Korrektur einer unsachgemäßen Behandlung steht nicht im Fokus der Beweggründe und ist bei der differenzierten Betrachtung der Geschlechter für beide fast gleichermaßen von geringerer Bedeutung.

Motivationsfaktoren

Spiegelbild und Fotos bestärken den Behandlungswunsch

Spiegelbild und Fotos

Sobald eine Ästhetisch-Plastische Behandlung – sei es minimalinvasiv oder operativ – nicht medizinisch indiziert ist, geht es immer auch um die Frage, ob und welche Faktoren einen Behandlungswunsch verstärken können. Neben der Wirkung von regelmäßigen Videokonferenzen werden
die Auswirkungen von Social Media sowie mit Filtern bearbeiteten Bildern und Videos stark diskutiert. Die veränderten Bilder prägen die Vorstellung von Schönheit und können dazu führen, dass eine falsche Wahrnehmung des Äußeren geprägt wird.

Die Ergebnisse der diesjährigen Statistik zeigen, dass die Selbstbetrachtung – ob nun im eigenen Spiegelbild oder auf Foto- und Videoaufnahmen – von Bedeutung ist. Bei einer detaillierten Auswertung nach Geschlechtern zeigte sich, dass Frauen ihr Äußeres kritischer als Männer betrachten. Sie fühlen sich von dem gesellschaftlichen Druck, schön und gepflegt auszusehen, stärker betroffen als Männer. Die überwiegende Mehrheit (65,9 Prozent) der weiblichen Befragten gab bei der diesjährigen Umfrage an, durch die Betrachtung des eigenen Spiegelbildes zu einer Behandlung motiviert zu werden. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass bei der Mehrheit der Patient*innen der Veränderungswunsch nicht fremdbestimmt ist. Die deutliche Mehrheit der befragten Patient*innen folgt dabei einer intrinsischen Motivation.

Jede*r Siebte fühlt sich durch den von ihm / ihr empfundenen Makel in der Kleider- oder sogar Berufswahl eingeschränkt. Auch Freizeit oder sportliche Aktivitäten können nicht wie gewünscht ausgeführt werden.

Die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen empfindet diese Einschränkungen besonders deutlich. Der Wunsch nach Veränderung geht also mit dem Empfinden von Einschränkungen einher – auch wenn diese ggf. selbst auferlegt sind. Es zeigt sich deutlich, wie der empfundene Makel das Selbstbewusstsein herabsenkt und eine geringere Lebensqualität erzeugt. Wer sich nicht wohlfühlt in seinem Körper, zieht sich zurück und meidet bestimmte Orte wie auch Aktivitäten. Dabei sind Frauen stärker betroffen als Männer. Aber von den Reaktionen aus dem Umfeld lassen sich überraschend deutlich mehr Männer als Frauen beeinflussen. Auf 1,3 Prozent der männlichen Patienten hat dies Wirkung, bei Frauen sind es nur 0,7 Prozent.

Mit Blick auf Social Media gaben insgesamt nur vier Prozent der Befragten an, dass diese Kanäle ihren Behandlungswunsch direkt beeinflusst haben. Während sich bei der differenzierten Auswertung nach Geschlechtern keine ungleichmäßige Verteilung zeigt, wird im Vergleich der Altersgruppen deutlich, dass sich die auf Social Media dargestellten Schönheitsideale vor allem auf die jüngeren Patient*innen auswirken.

Wunsch nach Veränderung

Bei der Suche nach einem Arzt oder Ärztin entscheiden persönliche Empfehlungen

persönliche Empfehlungen

Den für sich passenden Arzt bzw. die passende Ärztin zu finden ist für die meisten Patient*innen von besonderer Bedeutung. Dabei zeigt sich, dass viele verschiedene Informationsquellen genutzt werden. Besonders vertrauenswürdig wirkt die Empfehlung durch Freunde und Bekannte. Dass ein Besuch bei Ästhetisch-Plastischen Chirurg*innen schon lange kein Tabu-Thema mehr ist, machen die Ergebnisse deutlich. Besonders die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen setzt auf Freunde und Bekannte,
um persönliche Empfehlungen zu erhalten.

Bei der altersdifferenzierten Analyse zeigt sich, dass für die Generation der 20- bis 39-Jährigen bei der Suche und Auswahl der geeignetsten Praxis oder Klinik das Internet die größte Rolle spielt. Die Internetrecherche im Allgemeinen ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn sich der Eingriff einem sehr persönlichen Problem widmen soll und die Nachfrage im Freundes- bzw. Bekanntenkreis ausgeschlossen ist. Auf persönliche Erfahrungsberichte verzichten die Suchenden aber auch im virtuellen Raum nicht. Bewertungsportale bieten die Möglichkeit, individuelle und persönliche Erlebnisse und Einschätzungen anderer Patient*innen abzurufen. Onlinebewertungen füllen das Vakuum, wenn nicht im persönlichen Umfeld nachgefragt wird. Zugleich vermitteln sie das Gefühl, schon vor dem ersten Vor-Ort-Termin sehr konkrete Vorstellungen von Arzt/Ärztin oder Praxis bzw. Klinik zu bekommen.

Interessant ist, dass Social Media bei der aktuellen Befragung von Patient*innen eher nicht als nützlich bei der Suche nach einem Arzt/einer Ärztin eingestuft wurde. Lediglich sechs Prozent schätzen die Recherche zu Praxen oder Kliniken in den sozialen Netzwerken als hilfreich ein und verdeutlichen damit, dass Social Media bei medizinischen Themen noch nicht als eine vertrauenswürdige Quelle eingestuft wird. Ebenso wenig Gewicht bei der Suche haben Publikumsmedien. Auch medizinische Fachgesellschaften spielen nur eine geringe Rolle.

Arztwahl

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie

Bereits in der DGÄPC-Statistik 2019–2020 wurden die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Ästhetisch-Plastische Chirurgie untersucht. Standen damals vor allem die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Kliniken und Praxen im Vordergrund, steht dieses Jahr die Sicht der Patient*innen im Mittelpunkt. Hat die Pandemie das Verhalten und den Behandlungswunsch
der Patient*innen beeinflusst?

Auf den ersten Blick zeigen die Ergebnisse, dass die Pandemie keine große Wirkung auf Patient*innen hatte und somit nicht als entscheidender Motivationsfaktor eingestuft werden sollte. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) gab an, dass die Pandemie keinen Einfluss auf ihre Entscheidung zu einer Behandlung hatte. Sie hatten schon lange überlegt, den geplanten Eingriff vornehmen zu lassen. 15,8 Prozent gaben an, dass sie regelmäßig einen Ästhetisch-Plastischen Chirurg bzw. eine Chirurgin aufsuchen und sich nicht durch die Pandemie beeinflussen lassen. Der Aussage, dass es durch die COVID-19-Pandemie zu einer verstärkten oder zunehmenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Äußeren komme, stimmt der Großteil der Patient*innen nicht zu.

Dennoch zeigen sich bei genauerer Betrachtung aufgrund der Pandemie Effekte hinsichtlich der konkret durchgeführten Behandlungen und Eingriffe. Auf Nachfrage, warum die Patient*innen gerade zum aktuellen Zeitpunkt, einen Termin wahrnehmen wollen, gaben 40 Prozent der Befragten an, dass sie aktuell genug Zeit für den Eingriff und den damit verbundenen Heilungsprozess hätten. Die mit der Pandemie verbundenen Maßnahmen, wie zum Beispiel
die Arbeit im Homeoffice, bieten Patient*innen Möglichkeiten, den Eingriff erst einmal im Privaten zu belassen. Sofern es die betriebliche Regelung zulässt, wundert sich niemand mehr, wenn der oder die Kolleg*in mehrere Tage lang im heimischen Büro arbeitet. Diese Normalität wird von den Patient*innen in der diesjährigen Statistik allerdings nicht als entscheidender Faktor ausdrücklich bejaht. Zwar spielt das Homeoffice für ihre Entscheidung eine Rolle, aber es ist nicht der Hauptgrund. Dieser liegt weiterhin im persönlichen Leidensdruck. Der Wunsch nach einer Behandlung hat nur wenig mit der Pandemie zu tun. Die Motivation, sie aber zum jetzigen Zeitpunkt durchführen zu lassen, hat mit den erleichterten Umständen aufgrund der Pandemie zu tun.

Auch wenn Ästhetisch-Plastische Eingriffe offen in der Gesellschaft diskutiert werden, ist es nicht unbedingt für jede*n Patient*in möglich, gegenüber Geschäftspartner*innen oder Freunden zu dem Thema zu stehen. 15,4 Prozent stimmten der Aussage zu, dass sie die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, nutzen, um einen Eingriff unbemerkt vom Umfeld durchführen zulassen. So können sie selbstbestimmt entscheiden, wann und wem gegenüber eine Ästhetisch-Plastische Behandlung thematisiert wird. Besonders bei umfassenden operativen Eingriffen benötigen einige Patient*innen erst einmal Zeit, die Behandlung physisch wie auch psychisch zu verarbeiten. Die diesjährige DGÄPC-Statistik verdeutlicht, dass nicht aufgrund der COVID-19-Pandemie eine Behandlung anvisiert wurde, sondern dadurch Rahmenbedingungen geschaffen wurden, die vielen Patient*innen nützlich erscheinen.

Besonders im Frühjahr und Sommer des Jahres 2021 wurde diskutiert, ob die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes oder die vermehrt eingesetzten Videokonferenzen dazu führen, dass die Nachfrage nach minimalinvasiven Behandlungen mit Botulinum oder Hyaluron sowie Augenlidstraffungen angestiegen ist. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Bild: Die mit der COVID-19-Pandemie verbundenen Maßnahmen wirkten sich tatsächlich auf die Nachfrage nach diesen Behandlungen aus. Im diesjährigen Behandlungsranking bilden sie die Top-3-Behandlungen. Durch das Tragen einer Maske wird ein Großteil des Gesichts verdeckt. Zugleich lenkt dies den Blick auf die obere Gesichtshälfte und betont diese. Eine qualifizierte Beratung durch einen Facharzt oder eine Fachärztin ist besonders dann notwendig, wenn Patient*innen unsicher sind. Die umfassende Beratung auch mit dem Blick auf die Motivation der Patient*innen ist erforderlich, um zu hastigen Entscheidungen vorzubeugen und Fehlentscheidungen zu verhindern. Eine Ästhetisch-Plastische Behandlung
sollte keine spontane Entscheidung, sondern gut überlegt sein.

Fokusthema: Social Media verstärkt den Wunsch nach Veränderung

Social Media verstärkt den Wunsch nach Veränderung

Die Ergebnisse der DGÄPC-Statistik spiegeln immer auch ein gesellschaftliches Stimmungsbild wider. Aktuell werden sehr stark die Auswirkungen von Social Media – auch im Bereich der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie – diskutiert. Influencer*innen konzentrieren sich in der Regel auf die schönen Seiten des Lebens – nicht immer sind diese Darstellungen real. Problematisch wird es, wenn hier die Grenzen verwischen: Wenn das Auge überall und ständig schöne Menschen auf zudem geschönten bzw. optimierten Fotos sieht, entsteht der Eindruck einer Realität, die es so gar nicht gibt. Wer sich selbst dann mit dieser vermeintlichen Realität vergleicht, wird zwangsläufig enttäuscht.

Die Ergebnisse der diesjährigen Befragung zeigen ein deutliches Bild: Der Vergleich mit anderen Personen auf sozialen Medien verstärkt bei insgesamt vier Prozent aller befragten Patient*innen den Wunsch nach einer Veränderung ihres Aussehens. Was auf den ersten Blick gering wirkt, bekommt im Vergleich zum
Vorjahr Brisanz. 2020 nannten lediglich 2,3 Prozent der befragten Teilnehmer*innen Social Media als Motivation für eine Behandlung. Von 2,3 zu vier Prozent – eine Steigerung von 74 Prozent innerhalb eines Jahres. Eine detailliertere Analyse zeigt dieses Phänomen vor allem in der Zielgruppe der unter 20- und unter 30-Jährigen.

Bei 23,1 Prozent der Befragten, die unter 20 sind, verstärkte der Vergleich des eigenen Erscheinungsbildes mit Bildern und Videos von anderen Personen, die auf Social Media veröffentlicht wurden, den Wunsch nach einer Veränderung. Die Befragten, die dieser Aussage zustimmten, waren ausnahmslos weiblich. Kein männlicher Befragter bejahte diese Aussage. Bei den unter 30-Jährigen ist es fast jeder Zehnte (9 Prozent), der dem zustimmte. Aber mit zunehmendem Alter nimmt die Wirkung der sozialen Medien auf die Patient*innen ab und spielt zunehmend keine Rolle mehr.

Auswirkungen Social Media

Fazit und Zusammenfassung

Fazit

Auch das Jahr 2021 ist geprägt von der COVID-19-Pandemie – auch wenn es zu weniger Einschränkungen kam und sich Maßnahmen wie das Homeoffice bereits in den Alltag eingefügt haben. Im Ästhetisch-Plastischen Bereich und in den Praxen und Kliniken der Mitglieder der DGÄPC ist die Pandemie spürbar. Daher berücksichtigen wir auch in dieser Patientenbefragung die Pandemie und zeigen im Fokusthema, welche Auswirkungen sich ergeben. Anders als im vergangenen Jahr richten wir dabei den Blick weniger auf die wirtschaftlichen Konsequenzen, sondern direkt auf die Patient*innen. Dabei zeichnen die Ergebnisse der diesjährigen Analyse ein konkretes Bild: Die Patient*innen nutzten Begleitumstände der Pandemie, um ihren Behandlungswunsch besser umsetzen zu können. Die Pandemie ist weniger ein Auslöser für Behandlungswünsche, bringt aber erleichternde Umstände für die Umsetzung der Behandlungswünsche. In Bezug auf die Motivation können wir aufzeigen, dass weiterhin der über die Jahre gewachsene Leidensdruck der Patient*innen an erster Stelle steht – in der Pandemiezeit hat sichaber das Empfinden dieses Leidensdrucks teilweise verstärkt.

Die Aufschlüsselung der Behandlungswünsche wie auch die Motivation der Patient*innen ist von Anfang an eines der zentralen Themen in der Statistik. Dabei zeigt sich seit 2016 eine kontinuierliche Zunahme der Nachfrage nach nicht- und minimalinvasiven Behandlungen und damit einhergehend eine Stabilisierung auf den vordersten Plätzen des Behandlungsrankings. Die sanften Methoden sind auch dieses Jahr gefragter denn je. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Nicht- bzw. minimalinvasive Behandlungen sind, anders als operative Eingriffe, günstiger, die Behandlungserfolge sind schneller sichtbar, da ein langer Heilungsprozess entfällt. Der Fokus auf das obere Gesicht bleibt wie bereits im letzten Jahr bestehen.

Neben der Erforschung der Auswirkungen der Pandemie widmen wir dieses Jahr dem Thema Brust besonderer Aufmerksamkeit. Fast ein Drittel der Erstberatungen entfällt bei Frauen auf die Brust. Die Brustvergrößerung mit Implantat steht dabei an erster Stelle. Der Beratungsbedarf bei operativen Eingriffen ist erfahrungsgemäß größer als bei nicht- und minimalinvasiven Behandlungen. Denn wenn die Eingriffe die sensible Zone der Brust betreffen, sind die Unsicherheiten bei vielen Patientinnen groß. Nicht zu unterschätzen ist dabei, dass der Leidensdruck bei einigen häufig schon in der Pubertät beginnt und der Behandlungswunsch somit bereits seit längerer Zeit besteht. Die Frauen möchten sich nur einmal in ihrem Leben diesem Eingriff unterziehen. Medienberichte über mangelhafte Implantate oder verpfuschte Operationen tragen zur Unsicherheit weiter bei. Daher wundert es nicht, dass Patientinnen vermeintlich umfassend informiert in die Praxis oder Klinik kommen. Fachärzt*innen wie die der DGÄPC haben daher auch die Aufgabe, Behandlungsmethoden einzuordnen und Alternativen aufzuzeigen.

Auch in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie ist die Diskussion um soziale Medien und deren Wirkungsweise präsent. Unser Fokusthema widmet sich diesem Aspekt. Die diesjährige Analyse offenbart, dass der Wunsch nach Veränderung des Aussehens durch Social Media verstärkt wird. Waren es 2020 erst 2,3 Prozent der Befragten, zeigt sich nun mit 4 Prozent eine Steigerung von 74 Prozent.

Ein wichtiger Bestandteil der DGÄPC-Statistik sind die persönlichen Einschätzungen der vier Vorstandsmitglieder der DGÄPC. Sie blicken auf die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der diesjährigen Auswertung und ordnen diese aus Sicht eines praktizierenden Facharztes ein.

Ihr Kontakt zur Pressestelle der DGÄPC

.(030) 219 159 88

.

Pressestelle DGÄPC

Münzstraße 18
10178 Berlin

Tel.: (030) 219 159 88
Fax: (030) 219 159 69

.

presse@dgaepc.de
www.dgaepc.de

Einschätzungen des DGÄPC-Vorstands

Dr. Kasisers Präsident DGÄPC
Dr. Kasisers Präsident DGÄPC

Über die Zunahme von nicht- und minimalinvasiven Behandlungen

„Nicht- und minimalinvasive Methoden sind deutlich niedrigschwelliger in Bezug auf Preis, Zugänglichkeit, Aufwand und Ausheilung. Dass also das Patient*inneninteresse an nicht- und minimalinvasiven Behandlungen von 41,5 Prozent im Jahr 2019 auf 73,5 Prozent in diesem Jahr gestiegen ist, ist enorm. Da müssen wir als Fachärzt*innen der DGÄPC aufmerksam werden, denn das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir gehen davon aus, dass das Gros der Patient*innen minimalinvasive Behandlungen von nicht-ärztlichen Anbieter*innen durchführen lässt. Besonders für Neu-Patient*innen sind diese Anbieter*innen wesentlich zugänglicher. In der DGÄPC sind wir uns einig, dass auch minimalinvasive Eingriffe als medizinische Behandlung angesehen werden und ausschließlich von Fachärzten durchgeführt sollten. Nur Fachärzt*innen kennen die komplexen anatomischen Strukturen, deren genaue Kenntnis eine sichere und zufriedenstellende Behandlung garantiert. Dieses Know-how stellen am besten gut ausgebildete Fachärzt*innen sicher, um Komplikationen zu verhindern.“
Dr. Harald Kaisers, DGÄPC-Präsident

Dr. Lutz Kleinschmidt, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC)
Dr. Lutz Kleinschmidt, DGÄPC-Vorstandsmitglied

Über die besorgniserregende Entwicklung von Selbstinjektionen mit Hyaluron

„Wir als Fachärzt*innen der DGÄPC beobachten eine besorgniserregende Entwicklung. Vermehrt werden auf Social Media sogenannte DIY-Schönheitsbehandlungen gezeigt. Hierbei werden Selbstinjektionen von Hyaluron durch Laien durchgeführt. Dies schafft ein enormes medizinisches Risiko, minimalinvasive  Behandlungen werden so immer mehr verharmlost. Jede ästhetisch-plastische Behandlung ist ein ernst zu nehmender medizinischer Eingriff und gehört in die Hände von Fachärzt*innen. Ohne fachärztliche diagnostische Bewertung, Beratung und Durchführung besteht ein gesundheitliches Risiko.“

Dr. Alexander Hilpert
Dr. Alexander Hilpert, DGÄPC-Vorstandsmitglied

Über das aktuelle Fokusthema „Social Media verstärkt den Wunsch nach Veränderung“

„In der Werbung und in den sozialen Medien werden Selfies sowie Personenfotos meist mit Filtern oder
mit Bildbearbeitungsprogrammen optimiert. Uns Fachärzt*innen stellt sich die wichtige Frage, ob die
stetige Konfrontation mit diesen stark veränderten Bildern bei den Betrachter*innen die Selbstwahrnehmung und eventuell den Wunsch nach ästhetischer Optimierung beeinflusst. Unsere diesjährige Datenerhebung zeigt, dass besonders die Gruppe der unter 20-jährigen Frauen von sozialen Medien beeinflusst ist: 23,1 Prozent der Befragten dieser Gruppe gaben an, dass sich der Wunsch nach Veränderung des eigenen Erscheinungsbildes durch den Vergleich mit Bildern und Videos anderer Personen auf Social Media verstärkt hat. Damit Patient*innen nicht dem Druck ausgesetzt sind, einem unrealistischen Schönheitsideal entsprechen zu wollen, sollten inszenierte und optimierte Bilder immer als solche gekennzeichnet sein.“

Dr. med. Helge Jens
Dr. Helge Jens, DGÄPC-Vorstandsmitglied

Über das aktuelle Fokusthema „Großer Beratungsbedarf bei Eingriffen an der Brust“

„Die weibliche Brust zählt zu den Körperteilen, die große Aufmerksamkeit in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie erhalten. In der Praxis erlebe ich, dass sich Frauen viel Zeit für die Entscheidung nehmen, da sie den Eingriff natürlich nur einmal in ihrem Leben vornehmen lassen möchten. Durch das Internet wie auch die zahlreichen Darstellungen in den sozialen Medien sind sie bereits sehr gut über die infrage kommenden Implantate und damit verbundenen Risiken informiert. Die Kritik und juristischen Verfahren haben aber zu Verunsicherung geführt. Da ist es verständlich, dass zahlreiche Fragen aufkommen und der Beratungsbedarf groß ist. Patientinnen, die sich von einem erfahrenen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen bzw. einer Chirurgin behandeln lassen, können sich dabei in guten Händen wissen. Die in Deutschland verfügbaren Brustimplantate entsprechen höchsten Sicherheitsstandards und dem Stand der neuesten Forschung.“

Erhebungsmethode

Über die Statisik und Erhebungsmethode

Die Statistik der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie – kurz DGÄPC – ist eine der bundesweit größten Erhebungen der Interessen und Wünsche von Patient*innen im Bereich Ästhetisch-Plastischer Behandlungen und Operationen. Seit über zehn Jahren führen die Mitglieder der DGÄPC diese Befragung unter ihren Patient*innen einmal im Jahr durch.

Die Auswertung

In die Auswertung der vorliegenden Statistik für das Jahr 2021 sind die Antworten von insgesamt 1.432 Teilnehmer*innen eingeflossen. 86 Prozent davon waren Frauen, 11 Prozent Männer und 3 Prozent machten keine Angabe – es gab keine Teilnehmer*innen, die „divers“ wählten. Der Erhebungszeitraum erstreckte sich von September 2020 bis Juni 2021.

Der Fragebogen

Die Daten wurden mit einem standardisierten Fragebogen erhoben, der den Patient*innen beim Besuch in einer Praxis oder Klinik eines DGÄPC-Mitgliedes vorgelegt wurde. Die Befragung erfolgte bundesweit und anonym. Personenbezogene Daten wurden und werden nicht erfasst. Der Fragebogen kombiniert jährlich gleichbleibende Fragen mit neuen Fragen. Neben den soziodemografischen Daten wurden der Behandlungsgrund bzw. -wunsch sowie die Motivation und die Wahl von Arzt/Ärztin erhoben. Ergänzende Schwerpunkte in diesem Jahr waren Fragen zur Pandemie und Social Media. Eine Neuerung in diesem Jahr war der Einsatz der Likert-Skala, um so die Einstellung der Befragten zum Thema konkreter zu erfassen.

Nach oben