Nachruf Dr. Carlos Uebel
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von meinem Freund, Wegbegleiter und Mitbegründer des German Brazilian Aesthetic Meetings (GBAM), Dr. Carlos Uebel.
Carlos lernte ich Anfang des Jahrtausends auf einem Kongress in Frankfurt kennen. Damals schon galt sein Interesse Deutschland, dem er sehr verbunden und zugeneigt war. Zwischen uns hat es gleich gefunkt, die menschliche Chemie stimmte einfach.
Seine Familie war hessischen Ursprungs und er bekannte sich stolz zu seinen Wurzeln. Sicher mit ein Grund dafür, warum es Jahre später mit ihm zum GBAM kam.
Der Reihe nach: 2005 lud er mich zum nationalen Kongress nach Sao Paolo ein. Trotz der uns unbekannten Größenordnung solcher Kongresse mit mehr als 1000 Teilnehmern konnte ich dank Carlos Urgesteine wie Yvo Pitanguy über seinen Neffen Henrique Radwanski kennen lernen, ebenso Ricardo Baroudi, der zu meinem Vorbild und Mentor wurde. Auch mit Fabio Nahas konnte ich Bekanntschaft schließen, mit dem mich bis heute eine tiefe persönliche Freundschaft verbindet.
All diese Kollegen sollten bei den ersten GBAM-Tagungen und auch danach zugegen sein. Carlos Uebel war ein international bekannter Name, was dazu führte, dass er ISAPS Präsident wurde. Die Stabsübergabe erfolgte 2012 in Genf ebenso originell wie es Carlos selbst war: in einem Zirkus, wo er in der Manege zwischen den Vorstellungen zum Nachfolger seines Vorgängers Jan Poël gekürt wurde.
Er war aber weit mehr als ein herausragender Plastischer Chirurg. Er war Visionär, Mentor und ein Mensch, der andere inspirieren konnte wie nur wenige. Über Jahrzehnte hinweg hat er die Ästhetisch-Plastische Chirurgie international geprägt – durch seine fachliche Exzellenz, seine Innovationskraft und seine außergewöhnliche Offenheit im kollegialen Austausch.
Unter anderem setze er im Bereich der Haartransplantation seit den frühen 80er-Jahren Maßstäbe und galt weltweit als einer der großen Pioniere moderner Haartransplantationstechniken. Doch was ihn wirklich auszeichnete, war nicht allein sein medizinisches Können, sondern seine Haltung: neugierig, mutig, menschlich und stets mit neuen Ideen. Als wir beiden mit anderen darüber sinnierten, wie und wo wir ein GBAM schaffen sollten, erinnere ich an seine Reaktion, die Carlos at its best wieder gibt: „We should not talk about it – let´s do it.“
Carlos war ein Mensch der Tat. Wenn er von einer Idee überzeugt war, setzte er sie um – mit Leidenschaft, Energie und dem festen Glauben daran, Menschen und Fachgebiete miteinander zu verbinden.
So entstand GBAM. Was als Idee eines deutsch-brasilianischen Austauschs begann, wurde durch Carlos’ Begeisterung zu einer lebendigen Plattform internationaler Freundschaft und wissenschaftlicher Zusammenarbeit. Sein Vermächtnis werden wir mit dem ihm gebührenden Respekt fortführen.
Carlos wäre in diesem Jahr Ehrengast am Tegernsee in Rottach-Egern zum 5. GBAM gewesen. Auch wenn er physisch nicht bei uns sein wird, wird sein Geist präsent sein – in unseren Gesprächen, im kollegialen Miteinander und in der besonderen Verbindung zwischen Brasilien und Deutschland, die er entscheidend mit aufgebaut hat.
Für mich persönlich bedeutet sein Verlust weit mehr als den Abschied von einem großen Chirurgen. Ich verliere einen Freund, einen inspirierenden Wegbegleiter und einen Menschen, dessen Herzlichkeit, Humor und Leidenschaft ich nie vergessen werde.
Mein tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, insbesondere Walderez und seinen Kindern Paolo und Juliane, seinen Freunden und Kollegen, die das Privileg hatten, Carlos Uebel besonders nahe zu stehen.
Wir werden ihn nicht nur im Oktober vermissen. Sein Lebenswerk wird bleiben. Und ebenso die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Menschen.