Nachruf Dr. Dr. Frank Muggenthaler
Mit großer Trauer habe ich vom Tod unseres Kollegen und Freundes Dr. Dr. Frank Muggenthaler erfahren.
† September 2026
Frank war für mich weit mehr als ein hochqualifizierter Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg und ästhetischer Gesichtschirurg. Er gehörte zu den Menschen, die über viele Jahre entscheidend dazu beigetragen haben, der plastisch-ästhetischen Gesichtschirurgie innerhalb unseres Faches den Stellenwert und die Akzeptanz zu verschaffen, die sie heute besitzt.
Diese Verbindung zur ästhetischen Chirurgie wurde ihm tatsächlich schon früh mitgegeben. Sein Vater, Dr. Hermann Muggenthaler, war einer der Pioniere der ästhetisch-plastischen Chirurgie in Deutschland und führte bereits in den 1960er-Jahren eine eigene Privatklinik in Karlsruhe. Er gehörte zudem zu den Gründungsmitgliedern der DGÄPC, der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, und damit zu jener Generation von Ärzten, die der ästhetisch-plastischen Chirurgie in Deutschland erstmals einen eigenständigen fachlichen und wissenschaftlichen Rahmen gegeben haben. Frank erzählte selbst einmal, dass sein Spielzimmer eigentlich die Klinik seines Vaters gewesen sei. Diese Begeisterung hat ihn ein Leben lang begleitet.
Aber Frank hat nicht einfach das Lebenswerk seines Vaters fortgeführt. Er hat daraus seinen ganz eigenen Weg entwickelt. Nach dem Studium der Medizin und Zahnmedizin und seiner Ausbildung zum Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen in Düsseldorf vertiefte er seine Kenntnisse in der plastischen Gesichtschirurgie, war leitender Oberarzt in Krefeld und ging schließlich zu Bruce Connell nach Kalifornien und Robert Flowers nach Hawaii – zwei der großen Namen der damaligen internationalen ästhetischen Gesichtschirurgie.
Seit 1995 widmete er sich mit großer Konsequenz der ästhetischen Gesichtschirurgie. Mit seiner Tätigkeit in Freiburg, später in Basel und schließlich mit seiner Klinik in Gutach schuf er sich ein Umfeld, in dem er seine Vorstellungen von ästhetischer Medizin und Gesichtschirurgie konsequent weiterentwickeln konnte.
Eine seiner vielleicht wichtigsten Leistungen bestand für mich jedoch darin, Brücken zu bauen. Frank hat innerhalb der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie immer wieder dafür geworben, die ästhetische Chirurgie des Gesichtes nicht als etwas Fremdes oder Nebensächliches zu betrachten. Das Gesicht ist schließlich unser ureigenstes chirurgisches Gebiet. Wer seine Anatomie, seine Funktionen und seine rekonstruktiven Möglichkeiten beherrscht, besitzt auch eine besondere Voraussetzung dafür, ästhetische Veränderungen verantwortungsvoll durchführen zu können.
Für diese Überzeugung haben wir beide über viele Jahre gestanden.
Frank tat dies nicht nur im Operationssaal, sondern vor allem auch in den wissenschaftlichen Gesellschaften und in der Ausbildung der nächsten Generation. Er war viele Jahre im Vorstand und später Präsident der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland. Innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie engagierte er sich besonders für die ästhetische Chirurgie und ihre Weiterbildung. Als Lehrer und Referent vermittelte er jungen Kolleginnen und Kollegen die plastisch-ästhetische Gesichtschirurgie – vom Facelift über die Hautverjüngung bis zu modernen Techniken der Gesichts- und Halschirurgie.
Damit hat er wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Haltung unseres Faches gegenüber der ästhetischen Chirurgie verändert hat. Was früher teilweise mit Distanz betrachtet wurde, ist heute ein anerkannter und selbstverständlicher Bestandteil einer modernen Gesichtschirurgie. An dieser Entwicklung hat Frank einen bedeutenden Anteil.
Auch seine Arbeit für die GÄCD, seine Tätigkeit als Schriftleiter und Herausgeber des Journal für Ästhetische Chirurgie sowie sein internationaler Austausch zeigen, wie sehr ihm eines am Herzen lag: Wissen weiterzugeben, Kollegen miteinander zu verbinden und unser Fach kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Für mich persönlich verliert unsere Gemeinschaft mit Frank einen Kollegen, mit dem mich nicht nur das Fach der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie verband, sondern auch eine gemeinsame Überzeugung: Ästhetische Chirurgie ist dann gut, wenn sie auf fundierter Anatomie, chirurgischer Erfahrung, Verantwortungsbewusstsein und Respekt vor der Individualität des Menschen beruht.
Frank hat für diese Idee gelebt und sie über Jahrzehnte weitergetragen.
Sein Vater gehörte zu jener Generation, die mit der Gründung der DGÄPC und ihrem persönlichen Engagement der ästhetischen Chirurgie in Deutschland einen ersten Weg gebahnt hat. Frank hat diesen Weg aufgenommen, weiterentwickelt und einer neuen Generation vermittelt. Damit bleibt etwas von ihm bestehen, weit über seine eigene chirurgische Tätigkeit hinaus.
Wir verlieren mit ihm einen wichtigen Wegbegleiter, einen Lehrer, einen leidenschaftlichen Gesichtschirurgen und einen Menschen, der unser Fach mitgeprägt hat.
Ich werde ihn in dankbarer und freundschaftlicher Erinnerung behalten.