Hintergründe der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie – Teil 2: Was ist Botulinumtoxin?

Als gefragtes und gemeinhin bekanntes Mittel zur Faltenbehandlung hat sich Botulinumtoxin einen Namen gemacht. Doch nicht nur in der sogenannten Schönheitschirurgie ist dieses Mittel enorm hilfreich. Welche Einsatzgebiete es sonst noch für Botulinumtoxin gibt und wo die Ursprünge der Substanz liegen, wollen wir uns in diesem Beitrag etwas genauer ansehen.

Woher kommt Botulinumtoxin?

Wie die Bezeichnung „-toxin“ erahnen lässt, handelt es sich bei Botulinumtoxin um ein Gift. Somit findet unsere erste Begegnung mit dieser Substanz nicht bei unserem Facharzt für Ästhetische und Plastische Chirurgie statt, sondern im Biologieunterricht. Hier lernen wir, dass es sich beim Botulismus um eine lebensbedrohliche Vergiftung handelt – hervorgerufen vom Bakterium Clostridium botulinum, welches das Botulinumtoxin produziert. Der Name lässt sich dabei vom lateinischen Wort botulus (zu Deutsch: Wurst) ableiten und verrät, dass diese Lebensmittelvergiftung hauptsächlich auf den Verzehr von verdorbenem Fleisch, aber ebenso von nicht fachgerecht eingekochtem Gemüse zurückzuführen ist. Unter allen bekannten Giften ist Botulinumtoxin das giftigste. Zugleich hat es aber nicht nur negative Eigenschaften – oder zumindest lassen sich diese positiv nutzen. Wozu wird dieses hochgefährliche Nervengift also verwendet?

Botulinumtoxin in der Medizin

Seit Anfang der 1980er Jahre wird das Nervengift Botulinumtoxin in der Neurologie als zugelassenes Arzneimittel genutzt. Direkt in den Muskel gespritzt, blockiert es dort gezielt die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin. Dadurch kann der entsprechende Muskel nicht mehr angespannt werden, andere Nervenfunktionen wie etwa Fühlen oder Tasten bleiben jedoch bestehen. Nach der Injektion baut sich der Wirkstoff langsam auf und erreicht nach ungefähr zehn Tagen den Höhepunkt. Nach drei bis sechs Monaten sind die Nervenenden neu gebildet und das Botulinumtoxin abgebaut, sodass der Muskel wieder aktiv beziehungsweise überaktiv ist. Das Anwendungsgebiet von Botulinumtoxin innerhalb der Medizin ist recht breit gefächert. Vor allem bei Verkrampfungen und einhergehenden Bewegungsstörungen (Dystonie, Spastizität) gehört das Nervengift häufig zur Therapie. Ebenfalls eingesetzt wird Botulinumtoxin bei starken Spannungskopfschmerzen und Migräne, bei der Behandlung von Hyperhidrose (übermäßiger Schweißbildung) sowie beim Strabismus (Schielen).

Botulinumtoxin in der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie

Besonders gut bekannt ist Botulinumtoxin im Zusammenhang mit der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie, wo es gegen die Zeichen der Zeit eingesetzt wird. Alltagssprachlich hält der eingetragene Markenname Botox des Herstellers Allergan als übergeordnete Bezeichnung für die Botulinumbehandlung her. Während bei der Faltenbehandlung mit Fillern die Falte „aufgepolstert“ wird, blockiert das Botulinumtoxin die Aktivität jener Muskeln, die für die Einkerbung in der Haut verantwortlich sind. Im Ergebnis wird die Stelle geglättet. Nicht nur zur Faltenbehandlung suchen viele Patienten einen Facharzt für Ästhetische und Plastische Chirurgie auf, auch bei der sogenannten Hyperhidrose (überschüssige Schweißbildung) kann der Ästhetisch-Plastische Chirurg mit Botulinumtoxin-Injektionen Abhilfe schaffen. Der Eingriff ist dabei kaum schmerzhaft und erfolgt mithilfe einer sehr dünnen Nadel.

Verschiedene Typen von Botulinumtoxin

Unterschieden werden die Serotypen A bis H, wobei lediglich Typ A und Typ B in der Medizin genutzt werden. Für den Menschen sind die Typen A, B, E, F und H toxisch, die übrigen sind unter anderem für Rinder, Wasservögel und Nerze giftig.

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